KreaKtivität – produktive Innovation

1968 ENTWICKELTE DR. SPENCE SILVER WÄHREND SEINER ARBEIT AN EINEM 3M-PRODUKT EINEN EINZIGARTIGEN KLEBSTOFF, FÜR DEN ER DANN ALLERDINGS KEINE VERWENDUNG FAND. Gleichzeitig hatte ein weiterer 3M-Mitarbeiter, Art Fry, Probleme mit seinen Notizzetteln, die ihm als Lesezeichen im Gesangbuch des Kirchenchors dienten. Als sie sich schließlich zusammensetzten, hatten sie die 3M-Post-it® erfunden!

In den 50-iger Jahren des 20. Jahrhunderts war ein Angestellter von Texas Instruments, Jack Kilby, während der Firmenferien allein im Labor. So ganz ohne Ablenkung malte er sich die Vorteile drahtloser Elektronik aus und fing sofort mit der Entwicklung an. Das Resultat war der Mikrochip.

In beiden Fällen kam die Lösung vor den Problemen und der Rest ist kreative Geschichte!


Kreativität fördern

Ein kreativer Prozess setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen:

  • Die Fähigkeit, innovative Lösungen für wiederkehrende Probleme zu finden
  • Die Möglichkeit, Probleme von allen Seiten zu betrachten
  • Offen sei für die Ansicht, dass es für alles eine Lösung gibt
  • Leidenschaft – der Wille, herausragend und erfolgreich zu sein; Lust auf Entdeckungen!

Innovative Denkweise bedeutet: über die Grenzen des Bewusstseins hinaus ins Unterbewusstsein eindringen. Dort liegt eine Fundgrube kreativer Ideen. Hinzu kommt, dass bei kreativer Aktivität beide Hirnhälften aktiv genutzt werden: die fantasievoll induktive „rechte Hälfte“ und die rationale deduktive „linke Hälfte“. Das Resultat kann als „KreaKtivität“ bezeichnet werden, was das Ziel jeder kreativen Handlung sein sollte.

Die Entwicklungen in der modernen Welt haben zur Folge, dass Manager dazu neigen, vor allem ihren analytischen Sinn, ihren Deduktions- und Organisationssinn zu gebrauchen. Dadurch vernachlässigen sie ihre Intuition und die Fähigkeit, Outside the Box (außerhalb ihrer Grenzen) zu denken. Das folgende Schema stellt die Entwicklung unserer Hirnfunktion während des Wachstums dar. Es zeigt eine starke Zunahme der linken Hirnfunktion.

Die hier besprochenen Kreativitätstechniken beziehen sich auf Methoden zur Stimulierung der rechten Hälfte. Edouard de Bono (1) bezeichnet dies als laterales denken. Wir haben festgestellt, dass Innovation unentbehrlich für die Zukunft eines Unternehmens ist. Was ist der Nutzen für Unternehmen und Mitarbeiter?

  • Die Mitarbeiter sind Experten auf ihrem Gebiet und wissen oft am besten, wie einiges verbessert werden könnte.
  • Wird ihre Kreativität gefördert, fühlen sich Mitarbeiter mit dem Unternehmen verbunden. Sie haben das Gefühl, geschätzt zu werden, sind motiviert und verantwortungsbewusst.

Vom Traum zur Umsetzung

Haben wir uns einmal mit unserer Kreativität angefreundet, wollen wir am liebsten alles gleichzeitig tun: das Projekt planen, realisieren oder ausprobieren. Da dies jedoch nicht funktioniert, geben wir oftmals auf. Dies können wir vermeiden, indem wir im kreativen Prozess drei Hauptaufgaben unterscheiden und sie einzeln bearbeiten.

Ein Projekt entsteht aus den folgenden Fragen des Träumers: „Was wollen wir? Was wäre ideal?“. Der Träumer macht sich keine Gedanken darüber, ob das Projekt zu verwirklichen ist. Danach wird das Projekt dem Macher übergeben. Dieser entwickelt es mit folgenden Fragen weiter: „Was tun wir? Mit wessen Hilfe? Zu welchem Preis?“. Der daraus entstehende Aktionsplan wird dem Kritiker übergeben. Dieser prüft, ob das Projekt realisierbar ist. Hierzu stellt er herausfordernde konstruktive Fragen, wie zum Beispiel: „Warum gerade diese Methode? Wie können wir das schneller erledigen? Was fehlt?“. Der neue Rahmen wird wieder dem Träumer vorgelegt. Dieser Prozess wird so lange fortgesetzt, bis der Kritiker endgültig seine Zustimmung gibt. Die Effektivität eines kreativen Prozesses ist nur gewährleistet, wenn diese drei Hauptaufgaben einzeln behandelt werden. Die Aufgaben des Träumers und des Kritikers sind sowohl gegenseitig als auch komplementär. Jede dieser Rollen – die des Träumers, das Machens und des Kritikers – kann mit den folgenden Kreativitätstechniken vervollständigt werden.

Brainstorming

Die Methode des Brainstormings wurden 1953 von Alex Osborn, dem Gründer der Creative Education Foundation, eingeführt(2). Seiner Meinung nach müssen zur Stimulierung des Vorstellungsvermögens und des Einfallsreichtums verschiedene Phasen durchlaufen werden.

1. Phase: Das Entwicklung von Ideen. Spezialisten und Laien (diejenigen, die mit dem Thema noch nicht so vertraut sind) brainstormen ungestört über die Lösung zu einem Problem. Jeder äußert seine Ideen, ohne dass darüber diskutiert oder geurteilt wird. Die Ideen eines Teilnehmers stimulieren die im Unterbewusstsein gespeicherte Informationen anderer Teilnehmer. Dies führt zur gemeinschaftlichem, lateralem und assoziativem Nachdenken. Dabei steht die Quantität der Ideen zunächst vor ihrer Qualität, um möglichst viele unterschiedliche Ansätze zu sammeln. Erst in einer späteren Phase werden die Vorschläge geordnet, bewertet und weiterentwickelt. Auf diese Weise entsteht aus vielen Einzelideen eine fundierte und kreative Problemlösung. Zusätzlich fördert diese Methode die Motivation der Teilnehmer, da sich jeder aktiv am Prozess beteiligt fühlt. Dadurch wird nicht nur die Problemlösung verbessert, sondern auch die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe gestärkt.

Der Leiter dieses Prozesses sollte:

  • Das Ziel der Sitzung erklären
  • Die Anzahl der Ideen begrenzen („30 Vorschläge, 30 Minuten!“)
  • Die Sitzung zeitlich begrenzen (20-30 Minuten)
  • Kreatives Denken durch offene Fragen unterstützt („Welche Farbe?“) – neue Gedankengänge werden so angeregt
  • Einen oder mehrere Teilnehmer bitten, alle Ideen aufzuschreiben.
  • Für Schwung sorgen und die Zeit im Auge behalten („Noch fünf Ideen“, „Noch zwei Minuten“)
  • Alle Ideen ohne zu urteilen positiv quittieren („Gut“, „Danke“, „Ausgezeichnet“)

2. Phase: Weitere Sitzung zur Beurteilung und Selektion der Ideen. Erstellen des Aktionsplans und Festlegen der Ziele. Die Teilnehmer der 1. Phase können hierbei anwesend sein. Dies ist allerdings nicht zwingend notwendig. Im Anschluss werden die priorisierten Ideen detailliert besprochen und mögliche Umsetzungsschritte definiert. Verantwortlichkeiten und Zeitpläne werden klar zugeordnet, um die Nachverfolgbarkeit sicherzustellen. Abschließend erfolgt eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse, um alle Beteiligten auf denselben Stand zu bringen.

3. Phase: Die Ergebnisse werden allen Teilnehmern der 1. Phase mitgeteilt. Dies motiviert sie, zu zukünftigen Teilnahme an solchen Sitzungen. Zusätzlich erhalten die Teilnehmer wertvolles Feedback, das ihnen hilft, ihre Beiträge zu verbessern. Auf diese Weise wird eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Gruppe gefördert. Langfristig stärkt dies das Engagement und die Zusammenarbeit innerhalb des Teams

Penstorming ist eine andere Form des Brainstormings. Hilfsmittel ist ein Blatt Papier oder eine Email. Jeder Teilnehmer fügt schriftlich neue Ideen den bisher gegebenen hinzu.

Freewheeling findet allein statt. Es wird völlig frei nach Lösungen gesucht. Ziel dieser Übungen ist es, durch Assoziation ins kreative Unterbewusstsein vorzudringen.


Kreativität freisetzen

Was sind die größten Hindernisse auf dem Weg der Kreativität?

Einer der größten Barrieren auf dem Weg zu unserer Kreativität sind wir selbst! Verschiedene Hindernisse versperren den Zugang zu unseren kreativen Kapazitäten und Fähigkeiten. Unsere innere Stimme sagt zum Beispiel: „Das ist eine blöde Idee“ oder „Das klappt nie“.

Auch die Angst vor Versagen, vor Erfolg, vor dem Urteil anderer und das Wissen, dem Projekt zu wenig Zeit eingeräumt zu haben, versperren uns oft den Zugang zur Kreativität. Die Überzeugung, nicht kreativ zu sein, kann dazu führen, dass wir wirklich nicht kreativ denken können. Hierdurch wird unsere Überzeugung bestätigt und verstärkt.

Wenn wir diesen Kreislauf beenden wollen, müssen wir unsere persönlichen Hindernisse auf dem Weg zur Kreativität abbauen. Fangen Sie damit an, ihre Einstellung zu ihren kreativen Fähigkeiten zu ändern. Der Rest kommt von selbst.

Roger von Oech(3) behauptet, Kreativität bestehe im Endeffekt aus der Alchemie zwischen deutlichem und vagen Denken. Auf seinem Feldzug gegen die unsinnige Redewendung „Verhalten Sie sie sich in Rom wie ein Römer.“ Bezeichnet er Fragen wie „Was wäre, wenn…“ als „intellektuelles Popcorn“. Solche Fragen gehen weiter als die stereotypen Denkweisen und ermöglichen es, festgefahrenen Denkweisen zu entkommen (escape the box).

Die kreative Entwicklung eines Mitarbeiters wird während seiner persönlichen Evolutionsprozesse oft übersehen. Menschen, die Interessen, wie Schachspielen und Musik pflegen, die eine zweite Sprache erlernen möchten oder gerne Kreuzworträtsel lösen, haben nicht nur Spaß, sondern entwickeln eine mentale Flexibilität, die sich auch auf ihre Arbeit auswirkt. Unternehmen, die solche persönlichen Entwicklungsfelder unterstützen, profitieren von innovativeren Ideen und einem dynamischeren Teamgeist. Letztlich trägt die Anerkennung und Förderung individueller Interessen dazu bei, Motivation und Arbeitszufriedenheit nachhaltig zu steigern. Gleichzeitig helfen vielfältige Interessen, Stress abzubauen, die Resilienz gegenüber beruflichen Herausforderungen zu stärken und den interdisziplinären Austausch zu fördern, da Mitarbeiter ihre unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven ins Team einbringen.


Erfolg durch Kreativität

Innovation und Kreativität sind heutzutage im Geschäftsleben unentbehrlich. Sie haben sich zu einem Managementstil entwickelt. Mitarbeiter, die genügend Möglichkeiten, Mittel und Anerkennung bekommen, werden dafür sorgen, dass mindestens eines von zehn Projekten die ursprüngliche Investition hundertfach zurückverdient. Was sind die Vorteile von Kreativität als Teil der Unternehmenskultur?

Durchbruch von neuen Ideen und Lösungen außerhalb der Grenzen der alten Denkweisen und Gewohnheiten

  • Eine wettbewerbsfähige Marktposition
  • Teamwork! Die Mitarbeiter sind motiviert und fühlen sich dem Unternehmen verbunden
  • Zeit- und Kostenersparnis
  • Alle Tagen zum Erfolg bei
  1. Inwieweit erwartet Ihr Unternehmen von Ihnen kreative Beiträge? Wie spornen Sie Ihre Mitarbeiter dazu an?
  1. Inwiefern werden Innovation und Kreativität für die Zukunft Ihres Unternehmens strategisch wichtiger?
  1. Welche konkreten Maßnahmen können Sie treffen, um die Kreativität Ihres Unternehmens und Ihres Teams zu steigern?
  1. Welches aktuelle Problem können Sie mit Hilfe von Brainstorming, Penstorming oder Freewheeling lösen?
  1. Wie und wann werden Sie das Kreative Dreieck in Ihr Unternehmen einführen?